II. HUMAN FRIENDLY AUTOMATION DAY 2022


Die (Bundesagentur für Arbeit) (BA) war Gastgeber des 2. Human Friendly Automation Day am 5. Oktober 2022. Die Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles (Bundesministerin a.D.) eröffnete die jährliche Veranstaltung des HFA-Expertennetzwerks.


Frau Nahles betonte die Relevanz von KI und Automatisierung für den öffentlichen Sektor in Deutschland. Sie rief das Jahrzehnt der Automatisierung aus. Diese Technologien werden vor allem benötigt, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Für sie als ausgewiesene Expertin für Arbeitsmarktpolitik ist aber auch klar, dass Qualifizierung und die Zukunft der Beschäftigten mit der Automatisierung Hand in Hand gehen müssen. Niemand wird durch KI und Automatisierung seinen Arbeitsplatz bei der Bundesagentur für Arbeit verlieren.

Frau Nahles und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen daher die Initiative Human Friendly Automation und das Netzwerk.


Der CIO der Bundesagentur für Arbeit treibt HFA@BA

Der CIO der BA, Dr. Markus Schmitz, hat die Relevanz eines menschenfreundlichen Ansatzes schon sehr früh erkannt. Für ihn war klar: Intelligente Automatisierung erfordert eine neue Art der Umsetzung: Sie braucht eine Wertebasis, an die sich alle verbindlich halten müssen. Deshalb griff er auf die Human Friendly Automation Values Charter zurück. Wie gut, dass sein Kollege und unser Mitglied im HFA-Expertennetzwerk, Martin Födisch, Experte für Digital Change bei der BA, war von Anfang an dabei und hat die Charta mitentwickelt. Sie bildet die Grundlage für alle zukünftigen KI- und Automatisierungsprojekte in der BA.


Die Charta erfordert einen völlig neuen Umsetzungsprozess, den ich mit meinem Team von IBM erstellen und in einem Proof of Concept bei der BA zur Anwendung bringen konnte.

Die Wertecharta unseres HFA-Netzwerks hat einen Paradigmenwechsel ermöglicht: Erstmals gibt es KPIs, die neben den technischen KPIs auch die Zukunft der Menschen berücksichtigen. Das IT-Projekt ist von Anfang an um eine personalstrategische Komponente erweitert worden.


Für dieses Beispiel haben wir als HFA-Netzwerk die Bundesagentur für Arbeit als 2nd Human Friendly Place in the world ausgezeichnet. Ein Ort, an dem den Mitarbeitern eine würdige und wertschöpfende Arbeit im Zeitalter der Automatisierung zugesichert wird. Im vergangenen Jahr ging diese Auszeichnung an die IBM Deutschland GmbH, die den 1st HFA Day in 2021 ausrichtete und wo die Wertecharta des Netzwerks veröffentlicht werden konnte.


Paradigmenwechsel: Human's Return of Invest in Automation Diagram

Als Initiator des HFA-Netzwerks konnte ich in meiner Rede nicht nur allen Mitgliedern und Förderern danken, sondern auch eine Weltneuheit präsentieren. Ich nenne es deshalb das Schatilow-Diagramm, um Mitarbeitern erstmals einen persönlichen Nutzen durch Automatisierung zuzusichern.


Warum?

Mitarbeitende glauben, dass Automatisierungstechnologien ihnen Arbeitsschritte im Alltag abnehmen, die sie nerven. Deshalb freuen sich die meisten, wenn sie hören: "Wir werden in Ihrem Bereich ein Automatisierungsprojekt starten."

Aber betroffene Mitarbeitende wissen nicht, dass sie sich dann auch selbst verändern müssen. Mehr noch: Wir hören oft, dass die Automatisierung dazu führen wird, dass die Mitarbeitenden sich mehr Zeit für das wünschen, was sie lieber tun würden: "Urlaub" oder "mehr Zeit für gute Gespräche mit anderen Mitarbeitern".


Die von der intelligenten Automatisierung betroffenen Mitarbeiter sehen keine Notwendigkeit, sich zu verändern.

Kaum ein Mitarbeiter kommt auf die Idee, die freiwerdende Zeit für Qualifizierung einzuplanen. Oder gar, sich für eine neue Aufgabe in einem anderen Bereich des Unternehmens zu interessieren, wenn der Roboter Stunden, Tage oder die gesamte Jobrolle zu ersetzen droht. Aber auch den Mitarbeitern kann man nicht wirklich einen Vorwurf machen: Denn die Personalabteilung und insbesondere die Personalentwicklung (PE) sind fast nie involviert und schaffen ein Gefühl der Dringlichkeit oder bieten Dienstleistungen während eines KI- und Automatisierungsprojekts an.


Durch das Diagramm "Human's Return of Invest in Automation" soll dieses Problem erstmals nicht nur sichtbar, sondern zur Chance werden: Den von der Automatisierung betroffenen Mitarbeitern werden je nach Automatisierungsgrad bis zu maximal 20 % der Arbeitszeit für persönliche Weiterbildung freigestellt.


Damit haben die Mitarbeiter erstmals einen echten, verbrieften Mehrwert aus dem Automatisierungsprojekt, den ihnen auch Jahre nach der Einführung kein Performance Management nehmen wird, so dass im schlimmsten Fall die Arbeit wieder verdichtet wird: "Dank des Roboters: Mehr Aufgaben in der gleichen Zeit erledigen zu können. Ohne die Chance zu haben, sich auf neue, andere Einsatzgebiete einzulernen."


Ja, das "Human's Return of Invest in Automation"-Diagramm ist eine Revolution. Es sorgt dafür, dass Qualifikation und technischer Fortschritt unweigerlich miteinander verbunden sind.


Bei unseren Human Friendly Automation-Projekten geht es genau darum: neue, wertschöpfende und menschenwürdige Arbeit im Zeitalter der Automatisierung zu sichern (in Anlehnung an UN Sustainable Development Goal 8). Dies kann nur erreicht werden, wenn den betroffenen Mitarbeitern von Anfang an Zeit für Weiterbildung und Neuorientierung garantiert wird.


C-Level Talk über die Relevanz von HFA für Wirtschaft und Gesellschaft

Die Mitglieder des HFA-Netzwerks freuten sich besonders, dass die Relevanz der menschenfreundlichen Automatisierung und der Wertecharta auch von den C-Level-Gästen der Podiumsdiskussion auf dem HFA-Tag unterstrichen wurde. Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Stephan Fasshauer, Direktor bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gabriele Schwarenthorer, Mitglied der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH, Oliver Suchy, Leiter der Abteilung "Digitale Arbeitswelten und Arbeitsweltberichterstattung" beim DGB-Bundesvorstand, Katja van Doren, Mitglied des Vorstands der RWE Generation SE. Die Moderation übernahm BA-CIO Dr. Markus Schmitz.


Jeder Podiumsgast war zunächst aufgefordert, das Wertepaar der HFA-Charta vorzustellen, das ihm am wichtigsten erschien. Vor allem die Qualifikation, aber auch die Transparenz wurde von allen besonders hervorgehoben. Der klaren, frühzeitigen und partizipativen Kommunikation wurde eine zentrale Rolle in intelligenten Automatisierungsprojekten zugeschrieben.

Viele gute Beispiele aus der Praxis der Human Friendly Automation wurden von den Teilnehmern auf dem Podium genannt. Es wurden aber auch Herausforderungen diskutiert, die von der Politik gelöst werden müssen, um eine menschenfreundliche Automatisierung - insbesondere im öffentlichen Sektor in Deutschland - zu ermöglichen.


BA und IBM stellen HFA-Projekt zur E-Mail-Automatisierung vor


Die Bundesagentur für Arbeit hat gemeinsam mit IBM ein menschenfreundliches Automatisierungsprojekt zur Automatisierung von E-Mails bei der BA gestartet. Die Ergebnisse des PoC wurden von BA-CIO Dr. Markus Schmitz und seitens IBM von Dr. Michael Becher, Manfred Bär und Sophia Greulich (Mitglied des HFA-Expertennetzwerks) eindrucksvoll präsentiert.

Dieser einzigartige Ansatz wird nicht nur für den öffentlichen Sektor, sondern auch für die Privatwirtschaft richtungsweisend sein.


Ein neuer Standard ist entstanden. In der Folge wird es nur noch menschenfreundliche oder menschenfeindliche Automatisierung geben. Es ist kein Wunder, dass diese revolutionäre Präsentation in den Medien viel Beachtung fand. Denn Medienvertretende - wie auch weitere 180 Gäste - waren virtuell zugeschaltet.



Vor Ort und virtuell: In Breakout-Sessions gemeinsam HFA durchdenken

Der HFA-Tag 2022 endete am Nachmittag mit engagierten Breakout-Session. Sowohl die Gäste vor Ort als auch alle virtuellen Gäste diskutierten in kleinen Gruppen über Möglichkeiten und Herausforderungen der Skalierung von HFA.

Neben den guten Diskussionen haben sich auch neue freundschaftliche und geschäftliche Beziehungen unter den Teilnehmern entwickelt.

Darüber freuen wir uns besonders. Denn der HFA Day dient vor allem dem Wissensaustausch und der jährlichen Mahnung: "Wir dürfen KI und Automatisierung nicht dazu nutzen, Menschen ihrer wertstiftenden und würdevollen Arbeit zu berauben. Wir müssen neue Chancen identifizieren und bereits ab Beginn eines technischen Projektes die Quaifizierung auf individueller Ebene beantworten helfen."



Fazit: Viele neue HFA-Promotoren und ein Host für den HFA Day 2023


Der HFA-Tag 2022 war ein voller Erfolg. Viele Gäste sind der Einladung der BA gefolgt. Der branchenübergreifende Austausch kam sehr gut an. HFA verbindet!


Der Dialog zu unserem Thema wird nun in unserem Expertennetzwerk fortgesetzt. Die HFA-Community auf LinkedIn wird die neuen Mitglieder begrüßen und neue Erkenntnisse liefern. Aber auch dort wird der Dialog zwischen allen ermöglicht.


Wir freuen uns besonders, dass Momentum entstanden ist. Und wir haben auch schon einen neuen Gastgeber für die branchenübergreifende HFA-Netzwerkveranstaltung für 2023 gefunden. Es geht nach Berlin! Weitere Informationen werden in Kürze folgen.


Ein Interview von Sophia Greulich anlässlich des II. HFA Days und zur Relevanz der HFA-Initiative mit Martin Födisch (BA) und mir finden Sie auch auf dem THINK Blog der IBM Deutschland.


Ein großes Dankeschön an die BA für die Gastfreundschaft und Organisation. Vor allem aber an: Dr. Markus Schmitz, Martin Födisch, Olivia Wittenzellner und Stefan Latuski (CEO des IT-Systemhaus der BA) sowie der Co-Moderatorin Simone Angress-Pletsch von der Führungsakademie der BA. Ebenfalls gilt mein Dank alle TeilnehmerInnen sowie dem Technikteam der Firma epple multimedia, die das "Unmögliche zwischen zwei Welten möglich" gemacht hat. Last but not least: Ein großer Dank den beteiligten Experten aus unserem HFA-Netzwerk, die sich aktiv eingebracht haben!









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